Am 8.3. war Weltfrauentag. Wie zu erwarten war, wurde wie jedes Jahr über zu wenige Frauen in Führungspositionen und über das Gender Pay Gap lamentiert, statt sich auf gleiche Rechte und Pflichten zu fokussieren. Mir ist klar, dass ich mich hier auf vermintes Terrain begebe: Die Diskussion über diese Themen ist durch Linke und Rechte ideologisiert. Sie darf jedoch nicht den politischen Rändern überlassen werden, sondern muss ebenso mit Maß und Mitte betrachtet werden können und dürfen.
Wie jedes Jahr kommt also pünktlich zum 8.3. eine Melange aus absurden, bedenklichen, teilweise jedoch auch bedenkenswerten Vorschlägen zu Tage. Frauenquoten für Führungspositionen! Gehälter offenlegen und/oder zwangsweise angleichen! Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf!
Absurd ist die Forderung von Frauenquoten für Führungspositionen. Sie entstammt der Denke, dass Frauen es nur wegen Diskriminierung nicht in höhere Führungsebenen schaffen, deshalb müsse man Frauen dorthin quasi zwangsversetzen, so dass diese Frauen dann weitere Frauen nachbefördern können. Diese Argumentation hat erhebliche Schwächen: Zu allererst zeigen unzählige Studien (aus Deutschland z.B. Becker; Bezold (2014)), dass sich die Geschlechterbilder von Männern und Frauen im Durchschnitt nicht unterscheiden. Frauen sind genauso sexistisch wie Männer, sie werden sich also in der Führungsposition – sofern der geringe Frauenanteil tatsächlich auf Diskriminierung zurückgeht – nicht anders verhalten, wodurch das angebliche Problem also nicht gelöst wird. Doch auch das Problem besteht so nicht: Die geringere Anzahl an Frauen in DAX 30 Vorstandspositionen lässt sich durch unterschiedliche Lebensmodelle, wie sie vor 30 oder 40 Jahren noch die Regel waren, ziemlich gut erklären. Dazu gehört, dass damals Frauen seltener studiert haben und wenn, dann meist auf Lehramt. Inzwischen hat sich dies in den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften angeglichen, der Unterschied besteht in den MINT-Fächern jedoch fort, so dass unter ökonomischen Gesichtspunkten auch in 30 Jahren noch keine Parität zu erwarten wäre. Dazu gehört jedoch auch, dass sich viele Frauen – aus eigenem Antrieb oder aufgrund der Rahmenbedingungen – gegen Karriere und für Familie und Kinder entschieden haben. Dies ist nicht verwerflich!
Bedenklich ist die Forderung, Gehälter zwangsweise anzugleichen oder offenzulegen. Denn auch das hier suggerierte Problem besteht so nicht: Das Gender Pay Gap sagt aus, dass Frauen im Durchschnitt über ihre Lebensdauer weniger verdienen als Männer. Soweit, so korrekt.
Schaut man jedoch genauer hin, so merkt man, dass es dafür eine ganze Reihe Gründe gibt, die nichts mit Diskriminierung zu tun haben: Frauen sind häufiger in sozialen und künstlerischen Berufen anzutreffen, wo sie weniger verdienen, weil 1. viele Menschen diesen Berufen als Erfüllung nachgehen und somit eine geringe Knappheit auf diesem Teilarbeitsmarkt herrscht und 2. in diesen Bereichen nur geringe Produktivitätszugewinne durch technischen Fortschritt realisierbar sind. Frauen, die Kinder bekommen, machen zwangsweise berufliche Pausen, die je nach Beruf recht lang sein können – eine Chemikerin im Labor darf in Deutschland schon Monate vor der Geburt nicht mehr forschen. Nach der Geburt unterbrechen Frauen weiterhin wesentlich häufiger ihre Karriere als Männer, früher haben das sogar praktisch nur Frauen getan. Und schließlich arbeiten Frauen häufiger Teilzeit. Dies alles ist  den Frauen ebenfalls nicht vorzuwerfen – jedoch sind das aus Sicht des rationalen Arbeitgebers Karrierehindernisse, die wiederum nichts mit Diskriminierung zu tun haben.
Redet man hingegen vom Stundenlohn bei gleicher Qualifikation, gleichem Beruf, gleicher Branche und gleichem Ort, so ist bei Frauen, die für maximal ein Kind ihre Karriere maximal ein Jahr unterbrochen haben ein Gender Pay Gap nicht nachweisbar.
Folglich wäre eine Angleichung hier nur über zwei Stellschrauben möglich: Entweder, ungleiches wird gleich bezahlt, wie es die Linken fordern. Oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird weiter gestärkt.
Ersteres ist abzulehnen.
Gleiche Bezahlung für ungleiche Tätigkeiten hätte letztlich zur Folge, dass bestimmte Berufe, auf die nun wirklich niemand auf Dauer Lust hat – ob Müllabfuhr oder Großkanzlei – keine Mitarbeiter mehr finden könnten, obwohl eine Gesellschaft auch diese Menschen braucht. Und eigentlich entspricht doch jemand, der trotz super Qualifikation bewusst auf schnöden Mammon verzichtet, um seinen Idealen zu folgen, dem linken Idealtypus des neuen Menschen, oder? Aus liberaler Sicht jedenfalls definiert sich der Wert eines Menschen für die Gesellschaft nicht über den Lohnzettel. Denn: Jeder soll nach seiner Facon glücklich werden, nicht (zwingend) so wie es Alice Schwarzer oder Andrea Nahles es sich wünschen.
Zweiteres hingegen ist unbedingt bedenkenswert: Durch eine egalitäre Aufgabenverteilung und eine Kultur der gleichen Pflichten nach skandinavischem Vorbild könnte mehr für die Stellung der Frauen in der Gesellschaft getan werden, als durch alle planwirtschaftlichen Arbeitsmarkteingriffe zusammen. Regelungen, die derartige Modelle ermöglichen, sollte es noch viel mehr geben. Die Elternzeit war ein guter, wenn auch kulturell noch nicht verfestigter Anfang. Die Herdprämie hingegen, die unsere Landesregierung in ihrer Weisheit wieder einführen möchte, bewirkt das Gegenteil.
Daher die klare Forderung: Förderungsmodelle, die den Individuen ihre Wahlfreiheit lassen, sind okay. Staatlich vorgezeichnete Lebenslaufideale sind es nicht.