Nur noch wenige Tage und es ist soweit: Am 24. Dezember wird deutschlandweit Weihnachten gefeiert. Doch nicht nur in Deutschland, auch weltweit feiern Milliarden Menschen Weihnachten. Zwar gibt es „nur“ 2,1 Milliarden Christen auf der Welt und vor allem in Asien und Nordafrika Länder, die nicht christlich geprägt sind, jedoch wird dieses Fest fast in jedem Land und auf jedem Kontinent gefeiert. Auf welche verschiedenen Arten dieses Welt-Fest seinen Ausdruck findet, darum soll es in diesem Beitrag gehen.
Man braucht gar nicht so weit zu reisen, um unterschiedlichste Ausprägungen zu finden. Denn schon in dem größtenteils christlich geprägten Europa haben sich verschiedenste Traditionen herausgebildet. Während in Deutschland am 24. Dezember, am Heiligabend, das Christkind die Geschenke bringt, steht in den Niederlanden der 6. Dezember, der Nikolaustag, welcher in Deutschland mehr ein Teil der Vorweihnachtszeit ist, im Vordergrund. Der Geschenktag ist also am 5., an dem die Kinder Stiefel vor die Türe stellen und dann der Sinterklaas mit seinem (heute politisch kontroverse diskutiertem) Helfer Zwarte Piet Geschenke verteilt, wobei Zwarte Piet die Aufgabe hat die bösen Kinder zu bestrafen. Diese Aufgabe übernimmt im deutschsprachigen Raum Knecht Ruprecht oder in Österreich der Krampus. Auch in Frankreich wurden früher die Geschenke von Saint Nicolas am 6.12. geliefert. Heute hingegen ist Père Noël ähnlich dem Weihnachtsmann in der Nacht vom 24. auf den 25. unterwegs. Sehr wichtig ist den Franzosen das Weihnachtsessen, welches traditionell aus einem mit Maronen garnierter Truthahn oder – noch beliebter – einem Gericht aus Austern, Pasteten, Truthahn und Champagner, dazu gezuckerte Maronen, besteht. In Polen wird tagsüber gefastet und am Abend dann ein Festmahl aus 12 Gerichten aufgetischt. Weiter im Osten Europas, genauer gesagt in Russland, wird am 7. Januar gefeiert, jedoch nach dem Julianischen Kalender, was dem 25. Dezember des Gregorianischen Kalenders entspricht. Dazu kommt in Russland und anderen osteuropäischen Staaten Väterchen Frost mit seiner Enkelin Schneemädchen (oder auch Schneeflöckchen) und verteilen Geschenke. Zum Schutz vor der Unterdrückung durch den Kommunismus, wurden einige Traditionen unter anderem schon auf Neujahr vorverlegt. In Skandinavien hat besonders in Norwegen das Fernsehen am Heiligabend eine spezielle Bedeutung. Schwedens weihnachtliches Hauptfest ist hingegen das Fest der heiligen Lucia am 13. Dezember. Weit ab vom Festland wird auf den Färöer-Inseln und Island Weihnachten sogar 21 Tage lang gefeiert. Auf dem Balkan gehen in Griechenland Kinder und in Rumänien allgemein Sänger durch die Straßen und singen Weihnachtslieder. Die Spanier haben mit der berühmten Weihnachtslotterie eine ganz spezielle Tradition. Die Geschenke gibt es, wie in einigen Teilen Italiens, erst am 6. Januar. In Spanien bringen sie die Heiligen drei Könige und in Italien entweder das Christkind am 24. Dezember oder die „Befana“, eine alte fliegende Witwe, am 6. Januar. Auf den Britischen Inseln kommt „Father Christmas“ (die förmliche Version von „Santa Claus“) am 24. Dezember, während die Familie meist vor dem Fernseher sitzt. Bei vielen Briten ist zudem die Weihnachtsansprache ihrer geliebten Queen der wichtigste Teil des Programms.
Über den Atlantik nach Nordamerika, kommt man in das Heimatland des modernen Weihnachten. Santa Claus, der in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember von den Kindern mit Reiseverpflegung versorgt wird, Weihnachtsbäume, Weihnachtskarten, Weihnachtslieder, Weihnachtskrippen, elektrische Lichterketten und Geschenke sowie Küsse unter dem Mistelzweig zeichnen dieses aus. Durch die Multikulturalität der US-amerikanischen Gesellschaft wird oft auch versucht die Traditionen z.B. des jüdischen Chanukka oder des afroamerikanischen Kwanza in das Fest zu integrieren. Etwas südlicher beginnen die Mexikaner die Weihnachtsfeiern am 15. Dezember während der neuntägigen „Posadas“. In dieser Zeit symbolisiert man die Suche Maria und Josephs nach einer Herberge. Der Gastwirt lädt in sein Haus ein, es wird eine „piñata“ zerschlagen, „Ponche“ getrunken, ein Heißgetränk, welches einer Bowle ähnelt, und Buñuelos gegessen. In den vielen kleineren Staaten Mittelamerikas werden oft Traditionen gelebt, die sich aus denenjenigen Nord- und Südamerikas, sowie denenjenigen der ehemaligen europäischen Kolonialmächte, zusammensetzen.
Auf der anderen Hälfte des amerikanischen Kontinents sind Weihnachtskrippen sehr wichtig. In Gebieten mit hoher indigener Bevölkerung werden die Figuren sogar nach einem sehr alten Muster handgeschnitzt. In Kolumbien werden die Geschenke vom „El Niño Jesus“, also dem Jesuskind, am 24. Dezember gebracht. Ab dem 16. wird sogar tagtäglich zu Maria, Josef und dem Kind gebetet. Die Brasilianer haben größtenteil nordamerikanische und europäische Bräuche wie den geschmückten Weihnachtsbaum und den Weihnachtsmann („Papai Noel“) übernommen. Am Heiligabend wird erst um Mitternacht mit einer festlichen Mahlzeit und einer Bescherung im Familienkreis gefeiert. Viele Einheimische nehmen vorher an den Weihnachtsmessen, insbesondere an den feierlichen Mitternachtsmessen der katholischen Kirchen, teil. Die Argentinier bekommen ihre Geschenke am Dreikönigstag, wobei sie ähnlich dem europäischen Nikolausfest Stiefel hinstellen. Jedoch stellen sie diese unter das Bett und die heiligen drei Weisen füllen sie dann auf ihrer Reise. Insgesamt sind, ähnlich den sehr christlichen Ländern Südeuropas, Familie und die Kirche der wichtigste Bestandteil von Weihnachten in Südamerika.
In Afrika wird wenig überraschend vor allem in den ehemaligen Kolonien, die stark missioniert wurden, und in Ägypten und Äthiopien Weihnachten gefeiert. Während in Äthiopien das orthodoxe Weihnachten koptischer Prägung mehr als die Hälfte der Bevölkerung am 7. Januar feiert, feiern die ägyptischen Kopten das Fest als Minderheit in einem islamischen Land. Jedoch können auch sie es ohne Probleme begehen und der 7. ist sogar ein gesetzlicher Feiertag. In Ghana machen sich die Menschen schon sehr früh auf um Familie und Freunde zu besuchen. Sie versuchen aber alle an Heiligabend wieder Zuhause zu sein. In Kenia wird Heiligabend im großen Familienkreis gefeiert. Danach müssen die Kinder alles wieder aufräumen und essen für den nächsten Tag vorbereiten. An diesem wird dann traditionell eine Ziege geschlachtet. Wie das traditionelle Weihnachtsfest in Südafrika aussieht, ist schwer zu sagen. Dort leben Angehörige von rund 5.000 verschiedene Konfessionen und Kirchen, die je nach Herkunft unterschiedlich feiern.
Aufgrund des niedrigen christlichen Bevölkerungsanteils, ist ein Weihnachtsfesttag in Asien selten ein gesetzlicher Feiertag. In Japan ist der Neujahrstag traditionell wichtiger als Weihnachten. Dennoch haben auch die Japaner mit ihrer Verwestlichung viele Bräuche durch christliche Missionare übernommen. Vor allem der kommerzielle Faktor spielt, auch durch den großen Einfluss der USA, eine wichtige Rolle. Auch in der Volksrepublik China besitzt Weihnachten keine religiöse Grundlage, jedoch feiern immer mehr Chinesen, begünstigt durch den wachsenden Wohlstand, im privaten Rahmen Weihnachten. Auch hier liegt der wichtigste Faktor wohl im Interesse an der westlichen Konsumgesellschaft. Weihnachten ist in Indien ein offizieller Feiertag, der auf Hindi auch „bada din“ (der große Tag) heißt. Auch hier haben Santa Claus und Konsum Einzug gehalten haben. Fromme christliche Gläubige besuchen den Gottesdienst. In christlichen Missionsschulen nehmen auch hinduistische Kinder aktiv an den Feierlichkeiten teil. Auch im nahen Osten wird das Fest – jedoch eher von christlichen Minderheiten – gefeiert. Im Libanon beginnen die Vorbereitungen, wie fast überall in der Region, ungefähr zwei Wochen vor Weihnachten. Dann pflanzen die Libanesen Samen in Wattebäuschen und lassen diese bis Weihnachten wachsen. Im Libanon bereit sich die Gläubigen sehr ausführlich auf das Fest am 25. Dezember vor. In der islamischen Republik Iran erhalten die Christen zu Weihnachten , bis auf die Kinder, keine Geschenke. Diese erhalten neue Kleider, die sie dann auch am 25. Dezember tragen. Nach der Messe gibt es dann das Festmahl, nach gut vier Wochen fasten.
Grade in Australien ist aufgrund der klimatischen Bedingungen Weihnachten etwas anders gestaltet. An den Stränden der großen Städte kann einem dann schon mal Santa Claus in roten Badeshorts auf Wasserskiern über das Wasser fahrend begegnen. In Sydney steht dafür mit 26 Metern der größte Weihnachtsbaum der südlichen Hemisphäre. Genau wie die Neuseeländer genießen die Australier ihr Festmahl in Form von Picknicks oder Barbecue’s am Strand. Ironischer Weise wird grade auf der Weihnachtsinsel, die Mehrheitlich von Muslimen und Buddhisten bewohnt wird, nur von den Touristen das Fest der Nächstenliebe gefeiert. Das Einzige was jene mit Weihnachten gemeinsam hat ist nämlich das Datum ihrer Entdeckung: Der 25. Dezember 1643.
Am Ende noch ein paar Worte:
2016 war ein aufwühlendes Jahr. Es sind viele Ereignisse passiert, die leider oft eher negativer Art waren. Grade zum Jahresende kommt eine Zeit in der man mal für eine kurze Moment inne halten und Ruhe finden kann: Weihnachten, das Fest der Nächstenliebe und des Friedens, unabhängig von Religion oder Nation. Etwas was allen auf der Welt nach diesem Jahr guttun wird. In diesem Sinne wünsche ich allen eine friedvolles Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr 2017.