Seit dem 01.04.16 ist die Universität Bayreuth systemakkreditiert. Da liegt die Frage nahe: „Was bringt uns das denn?“ Ich möchte euch in diesem Artikel zum einen erläutern, was es mit der Akkreditierung auf sich hat und vor allem, welche Rechte, auf die wir jetzt pochen sollten, uns als Studierenden dadurch zustehen.

Bevor es an das ganze System geht, können wir den Vorgang in Bezug auf einen einzelnen Studiengang betrachten. Grund für die Akkreditierung ist Art. 10 Abs. 4 des bayerischen Hochschulgesetzes, in dem gesagt wird, dass diese für jeden Studiengang erfolgen soll. Was bringt uns ein akkreditierter Studiengang?

Ziele der Akkreditierung sind grundsätzlich:

  • Qualität von Lehre und Studium sichern, um zur Fakultätsentwicklung beizutragen;
  • Mobilität der Studenten erhöhen;
  • internationale Vergleichbarkeit von Studienabschlüssen verbessern
  • Studenten, Arbeitgebern und Hochschulen die Orientierung über die neu eingeführten Bachelor- und Masterstudiengänge erleichtern;
  • Transparenz der Studiengänge erhöhen.

Bei der ‚normalen‘ Studiengangs- beziehungsweise „Programmakkreditierung“ überprüfen externe, von einer staatlichen Akkreditierungskommission anerkannte, Agenturen die Studienprogramme und Modulhandbücher und sprechen vor Ort mit Studenten, Dozenten und Mitarbeitenden und der Hochschulleitung. Wie können diese externen Agenturen die Qualität von Studium und Lehre oder die internationale Vergleichbarkeit objektiv beurteilen?

Die Methodik ist ebenso Gegenstand der Kritik wie die Kosten des Verfahrens. Denn die Akkreditierung eines einzelnen Studiengangs kostet ca. 10.000 – 15.000€. Das wären für die Universität Bayreuth bei ca. 100 Studiengängen somit ca. 1,3 Mio € für einen Zeitraum von 5 Jahren.

Um diese hohen Kosten zu vermeiden  hat die Uni eine Systemakkreditierung beantragt. Hierbei wird der Fokus nicht auf die einzelnen Studiengänge gelegt, sondern es wird betrachtet, ob die Universität eine Qualitätssicherung vorweisen kann, die sicherstellt, dass die Ziele der Studiengangsakkreditierung intern erreicht und überprüft werden.

Dies ist finanziell attraktiver: Die Kosten belaufen sich auf „nur“ ca. 100.000€ alle 6 Jahre.

Soweit die Fakten. Doch was bedeutet die Akkreditierung für uns?

Wie Herr Huber, Vizekanzler der Universität Bayreuth, in der Pressemeldung der Universität gesagt hat: „Es ist für die Universität Bayreuth ein zentraler Qualitätsaspekt, dass die individuellen Talente der Studierenden bestmöglich gefördert und die dafür erforderlichen wissenschaftlichen Freiräume gestärkt werden. Die Systemakkreditierung ist für uns ein Ansporn, diesen erfolgreichen Weg fortzusetzen.“

An dieser Zusicherung müssen wir Studierende ansetzen, mitarbeiten und konstruktive Kritik äußern. Rechtliche Möglichkeiten dazu bietet die Qualitätssicherungssatzung der Universität Bayreuth:

Zum einen kann man natürlich den klassischen Weg wählen und die Anliegen an die Fachschaften oder an das Studierendenparlament tragen.  Dies geht am einfachsten über eine Mail an die entsprechenden Stellen. Alternativ könnt ihr auch einfach bei den hochschulöffentlichen Sitzungen vorbeikommen.

Anlaufstellen sind darüber hinaus die politischen Hochschulgruppen. Wir von der LHG treffen uns regelmäßig zu unseren Sitzungen und Stammtischen um aktuelle Themen zu besprechen, die wir anschließend in den Gremien voran bringen.

Besonders zwei Institutionen sollten wir Studierende verstärkt ins Auge fassen und ihre Umsetzung einfordern: Das Mittel der Evaluation und die Einberufung studentischer Vollversammlungen. Ausgangspunkt dafür ist §8 I der Satzung, welcher besagt:

„Im Rahmen von studentischen Vollversammlungen werden die Anliegen der Studierenden sowie Erkenntnisse der Lehr- und Studiengangsevaluation diskutiert und Maßnahmen zur Verbesserung der Studien- und Prüfungssituation abgeleitet.“

Diese Vollversammlungen haben gem. §8 III mindestens einmal im Jahr stattzufinden. Ich persönlich habe in meinen 10 Semestern Jura noch keine Vollversammlung erlebt und das, obwohl die Qualitätssicherungssatzung schon mehr als 2 Jahre in Kraft ist. Hier müssen wir gezielt und in Kooperation mit den Fachschaften aktiv werden, um dieses Recht einzufordern.

Doch um dort auch etwas bewegen zu können, muss an den uniformen Evaluationen gearbeitet werden. Es passt nun einmal nicht jeder Fragebogen zu jeder Vorlesung. Hier muss eine Individualisierung stattfinden, die dem Einsatz unterschiedlicher Lehr- und Veranstaltungsformen Rechnung trägt.

Zudem sollte – wo noch nicht geschehen – die Evaluation von den Lehrstühlen ausgelagert werden und öffentlich zugänglich gemacht werden. Es kann meiner Meinung nach nicht angehen, dass ein Lehrstuhl selbst die Fragebögen auswertet und sich dann die Ergebnisse schön redet – beispielsweise mit dem fadenscheinigen Argument, die Studierenden könnten die Lage ohnehin nicht bewerten. Auch sind die Fragebogen nicht anonym:  über die persönlichen Angaben oder das Schriftbild kann derzeit insbesondere bei höheren Semestern oder kleineren Studiengängen nachvollzogen werden, wer den jeweiligen Fragebogen ausgefüllt hat. Hier sollte Datenschutz zukünftig ernst genommen werden!

Durch die Veröffentlichung der Evaluationsergebnisse sollte außerdem für alle nachvollziehbar gemacht werden, wie die Studierenden die Situation in der Lehre einschätzen. Mit den gebündelten Ergebnissen für mehrere Semester hat man dann auch eine Handhabe in den studentischen Vollversammlungen, um gemeinsam mit anderen Studierenden notwendige Verbesserungen durchsetzen zu können.

Die Systemakkreditierung bringt uns also gerade wegen der Qualitätssicherungssatzung einen Mehrwert. Aber nur, wenn wir alle gemeinsam dafür einstehen.

Dafür treten auch wir als Liberale Hochschulgruppe an. Wir wollen euch ein freies, unabhängiges und selbstbestimmtes Studium zu ermöglichen!