Christoph KandlbinderDiesen Ausspruch von Mephisto in Goethes Faust ist vielen bekannt und einige wird es an ihre Schulzeit zurückerinnern, in der sie sich durch den Faust kämpfen durften. Doch man darf sich zurecht fragen, warum ich diesen Ausspruch als Aufhänger auf einem liberalen Blog ausgewählt habe.

Dazu muss ich etwas ausholen: Es beginnt mit der Frage, was jemanden dazu bewegt, sich gerade in liberalen Organisationen zu engagieren. Während schon seit längerer Zeit immer auf eine Politikverdrossenheit besonders bei jungen Menschen hingewiesen wird, könnte man diesen Eindruck auch gewinnen, lauscht man alltäglichen Gesprächen junger Menschen. Doch sowohl in persönlichen Gesprächen als auch in sozialen Netzwerken bemerkt man schnell, dass sehr viele Menschen, auch wenn sie sich in der Öffentlichkeit nicht äußern, eine Meinung über aktuelle politische Geschehnisse haben. Auch engagieren sich sehr viele in gesellschaftlichen Organisationen wie Vereinen oder helfen Flüchtlingen oder anderen hilfsbedürftigen Menschen. Sie tragen dabei schon einen erheblichen aktiven Anteil an der Verbesserung vieler gesellschaftlicher Probleme bei. Ich würde deshalb nicht von einer Politikverdrossenheit, sondern eher von einer Parteienverdrossenheit sprechen, da diese Menschen sehr wohl eine Meinung über politische Themen haben, diese aber nicht bereit sind aktiv in einer Partei zu vertreten. Dies hat sicher unterschiedliche Gründe, aber ein Hauptgrund von vielen nicht in einer Partei zu sein, ist der, dass eine bestimmte Partei ihre Meinung nicht komplett vertritt. Dem Argument will ich an dieser Stelle zustimmen. Denn auch ich selbst und – da bin ich mir ziemlich sicher – jedes andere Mitglied haben unterschiedliche Positionen als die JuLis oder die FDP in einigen politischen Fragestellungen. In einer politischen Partei kommt es aber auch keinesfalls darauf an, dass alle die gleichen Positionen haben. Man wählt eine Partei nach seinen Grundsätzen aus, für die man steht. Da dort die Chancen groß sind, dass es andere Mitstreiter gibt, die in vielen Fragestellungen eine ähnliche Haltung haben, sind auch die Chancen höher, diese Gestaltungsvorschläge auf höherer Ebene durchzusetzen. Es geht daher nicht darum, als Parteimitglied allen Punkten, die diese propagiert, zuzustimmen. Es geht darum, Mitstreiter zu finden, um seine Ideen einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Denn die Stärke des Individuums kommt dann in der Gemeinschaft zur Geltung und in einer Demokratie ist es wichtig, Mehrheiten organisieren zu können. Dazu sind natürlich auch Kompromisse notwendig, die man dann eben auch sowohl bei der Parteienauswahl als auch in einer Koalition eingehen muss.

Viele kritisieren wiederum, dass die Politik ein schmutziges Geschäft ist mit Klüngeleien und korrupten Politikern. Dieses Argument lässt sich schwer entkräften, da jedem bewusst ist, dass dies auch auf andere Lebensbereiche zutrifft, sobald Personen gewisse Macht anhäufen. Denkt man zum Beispiel an einen Vorstandsvorsitzenden eines Unternehmens oder auch schon an einen Vereinsvorsitzenden, zeichnet sich dies innerhalb der Gruppierung schon ab. Sobald man Entscheidungen über mehrere Menschen treffen kann, versuchen bestimmte Gruppierungen Einfluss auf diesen Menschen zu nehmen, um das Beste für sich herauszuholen. So führt mehr Macht immer auch zu mehr möglicher Korruption. Und je mehr sich der Staat aus dem individuellen Leben jedes einzelnen heraushält, kann sich auch jeder so in seinem Leben für das engagieren, was ihm wichtig erscheint. Je weniger der Staat eingreift, umso mehr ist es natürlich auch wichtiger, sich selbst gesellschaftlich einzubringen.

Genau deshalb habe ich mich aber auch entschieden, in einer liberalen Partei zu sein. Denn zu starke Machtanhäufungen führen immer zu Korruption und Ungerechtigkeiten. (Dies gilt meiner Meinung nach übrigens auch für große Unternehmen, was manche vielleicht anders sehen). Deshalb sollte dem Individuum größtmögliche Freiheit gegeben werden, um keine Abhängigkeit und Bevorteilung bestimmter Gruppen entstehen zu lassen. Diese Grundsatzhaltung kann ich in einer liberalen Partei am besten vertreten, denn sie stellt ihr Handeln in den Dienst der größtmöglichen Freiheit des Individuums und nicht irgendeines Kollektivs. Über die konkrete Ausgestaltung dieses Grundsatzes in den einzelnen Politikbereichen lässt sich dann immer noch innerhalb der Partei vortrefflich streiten, denn auch die Programmatik einer Partei ergibt sich nur durch lange und intensive Diskussionen zwischen den Mitgliedern.

Vielen stößt auch auf, dass sich die etablierten Parteien zu ähnlich seien und dass es deshalb kaum mehr Unterschiede zwischen den einzelnen Parteien gibt. Aber ist das nicht gut? Dass alle Parteien die freiheitlich demokratische Grundordnung als Grundsatz haben? Ich finde, das ist eine großartige Errungenschaft, diesen Konsens gefunden zu haben. Und Unterschiede zwischen den Parteien gibt es trotzdem weiterhin. Denn es ist wohl ein Unterschied, ob ich beispielsweise mit dem Grundsatz, den status quo zu erhalten, an eine Sache herangehe oder versuche, neue Herausforderungen innerhalb eines freiheitlichen Rahmens zu reformieren.

Was hat das Ganze nun mit Mephisto zu tun? Der Ruf der FDP besteht darin, klientelpolitisch für Arbeitgeber zu handeln. Dies hört sich so an, als ob Arbeitnehmer ausgebeutet werden und Arbeitgeber noch mehr Geld bekommen sollen, sozusagen Robin Hood im gegensätzlichen Stil. Die Wahrheit ist aber, dass den Menschen, die den Mut haben, ein Unternehmen zu gründen und zu führen, so wenig Steine wie möglich in den Weg gelegt werden. Denn Unternehmen stehen für Innovation und Fortschritt und sie sind der Motor, der uns weiterbringt. Denn auch nur durch diesen starken Motor können die sozial schwächeren mitgezogen werden. Außerdem entsteht so mehr Geld für Investitionen in Bildung und Forschung, was für uns ebenfalls zu den Kernaufgaben eines Staates gehört. Somit gelten wir als Mitglieder der Partei als die, die eigentlich Böses wollen (Arbeitgeber entlasten), dabei aber das Gute schaffen (Arbeitsplätze und Fortschritt).

Wer sich selbst ein Bild über uns und unsere Arbeit machen möchte, ist herzlich dazu eingeladen, zu unseren Stammtischen zu kommen und mitzudiskutieren!