oder warum es liberale Kräfte an der Universität Bayreuth braucht.

Das Abitur ist bestanden, die Studienwahl getroffen, als Studienort kam auch schon für den späteren Minister K.T.G nur Bayreuth in Frage. Jeder einzelne von uns kann bestätigen, dass die Stadt Bayreuth mit ihren vielen grünen Flächen, den kurzen Wegen und den vielleicht manchmal etwas grummeligen aber sehr herzlichen Oberfranken schon was für sich hat. In der Stadt Wagners und Jean Pauls mit seinen vielen Altbauten und kaiserlich anmutenden Gebäuden lebt es sich einfach gut. Die Uni bietet kleine Kurse, eine angenehme Atmosphäre durch das Rondell und die zahlreichen Grünflächen und auch das Essen in der Mensa trägt aus meiner Sicht hervorragend dazu bei die wissensbegierigen Bäuche von über 13000 Studierenden jeden Tag zu füllen. Im Gegensatz zu den Universitäten München, Frankfurt und Berlin sind die Kurse hier eher familiär und die Dozenten haben teilweise deutschlandweit und in der internationalen Wissenschaft Gewicht. Wie auch schon Friedrich Nietzsche sagte: „Ich denke immer noch, irgendwann einmal sitzen wir alle in Bayreuth zusammen und begreifen gar nicht mehr, wie man es anderswo aushalten konnte“. Die Studienbedingungen sind hier vergleichsweise traumhaft, die Mieten und Studienbeiträge niedrig. Wofür braucht es also die Anhänger einer Splitterbewegung, die bei der letzten Bundestagswahl weniger Prozent hatte als Bayreuther Hell?

Die Fehler liegen im Detail

Vermeintlich perfekte Dinge zeigen wie so oft erst bei genauerem Hinsehen ihre kleinen Fehler, Unebenheiten auf der Oberfläche oder stören manchmal einfach aufgrund ihrer Anwesenheit. Je tiefer man blickt, desto stärker werden einem diese Unebenheiten bewusst. Auch an der Uni Bayreuth. Für uns steht hierbei der unabhängige, selbstbestimmte und vor allem eigenverantwortliche Studierende im Vordergrund. Diesem steht zum Beispiel die Anwesenheitspflicht in einigen Kursen im Wege. Wer verhindert ist aufgrund von Krankheit, familiären Problemen oder weil er zur Finanzierung seines Studiums arbeiten gehen muss, wird in dieser Hinsicht massiv ausgebremst. Ich frage mich, warum man schon mit 15 Jahren gezwungen wird für sich zu entscheiden, welchen Beruf man wählen will, warum man mit 18 zwischen verschiedenen Handyverträgen wählen darf und man ab dem vierzehnten Lebensjahr entschieden darf, mit welcher Person man den Geschlechtsakt vollziehen will. Bei falschen Entscheidungen drohen einem in den genannten Beispielen ein Leben im falschen Beruf, massive Schulden und ein Kind, das man nicht wollte. Aber wir dürfen dies immerhin selbst entscheiden und müssen die Konsequenzen tragen. Die Konsequenzen aus dem Fernbleiben von Kursen sind im schlimmsten Fall eine nicht bestandene Prüfung und am traurigen Ende eine Exmatrikulation. Allerdings sollte hier der Studierende ebenfalls frei entscheiden können, was er für wichtig hält. Was hat der Dozent zu verlieren, wenn er in einem leeren Saal steht? Sein Gehalt richtet sich nach der Anzahl der Kursstunden, nicht nach der Zahl der anwesenden Studenten.

Solidarität muss auch in der Hochschulpolitik Sinnvoll sein

Eine weitere Frage, die in Bezug auf das Studierendenparlament gestellt werden muss, ist die Frage der Solidarität. Aus meiner Sicht ist Solidarität die Umverteilung von Gütern und Mitteln von den Starken auf die Schwächeren. Diese Umverteilung dient dem sozialen Frieden, der Chancengleichheit und der Verteilung der Güter an diejenigen, die diese wirklich benötigen. Genau hier beißt sich aber der Gedanke der Solidarität mit dem Semesterticket. Allerdings möchte ich an dieser Stelle nicht auf das Für und Wider eingehen, da sich mein Kollege Christian mit diesem Thema bereits in seinem Artikel im Blog vorletzte Woche ausreichend auseinander gesetzt hat. Bei unserer Forderung zum Semesterticket spielt vor allem unser Verständnis von wirtschaftlich sinnvollem Handeln herein.

Ein weiterer Punkt unseres letztjährigen Wahlprogrammes, an dessen Umsetzung wir im Moment arbeiten, ist, die Möglichkeit für private Essensanbieter sich am Campus zu etablieren. Wir fänden es schön, wenn es eine weitere Wahlmöglichkeit zwischen Mensa und Frischraum gibt. Wenn ein Unternehmer das finanzielle Risiko auf sich nehmen würde, an der Uni präsent zu sein und damit die gastronomische Vielfalt zu verstärken, warum nicht? Mehr Wettbewerb führt oft zu niedrigeren Preisen und/oder besserer Qualität. Sehr oft wird beklagt, dass es zu wenig vegetarisches Gerichte geben würde und das diese oft aus der Süßspeise und fettigen Beilagen bestehen. Dieses Problem ist uns bewusst, und wir sind davon überzeugt, dass dieses auch durch private Anbieter oder durch einen Ausbau des Mensaangebots behoben werden könnte. Dabei wollen wir nicht weniger Fleischgerichte sondern mehr Auswahl! Gäbe es, nur als Beispiel, Anbieter mit asiatischem Essen oder orientalischen Köstlichkeiten könnte auch hier eine weitere Wahlmöglichkeit geschaffen werden.

Was uns gerade bei dieser Thematik öfters vorgeworfen wird ist, dass wir dadurch eine Zweiklassengesellschaft beim Essen schaffen würden. Mal ernsthaft, diese Zweiklassengesellschaft wurde spätestens mit der Einführung des Frischraums schon geschaffen. Während die einen sich das Rumpsteak für 5 Euro bestellen (Was zugegebener Maßen immer noch ein sehr humaner Preis ist) essen die anderen Nudeln für 1,50 Euro. Dass private Anbieter diesen Umstand nicht ändern würden, ist uns auch bewusst. Nur zieht das Argument des Zweiklassenessens einfach nicht.

Hierzu bleibt noch eins zu sagen: Am Sonntag ist der Swagman bereits da, warum sollte man es ihm nicht auch erlauben während der gesamten Woche da zu sein?

Ich stehe für längere Öffnungszeiten der Bibliotheken. Was an anderen Universitäten mit 24/7 Öffnungszeiten schon längst Standard ist, wird in Bayreuth leider noch nicht umgesetzt. Es gibt einfach nicht den einen Lerntypus. Ein Teil der Studenten sitzt schon frühmorgens hochmotiviert in der Bib während ein anderer Teil sich morgens noch nicht so recht aufraffen kann und dafür im Gegenzug in der Nacht aktiv und produktiv arbeitet. Hierbei sollte nicht gelten „Der frühe Bibbesucher kriegt den Platz“ sondern „Wann du lernen willst ist deine Sache“. Hierfür müssen weitere finanzielle Mittel bereitgestellt werden, um so die Individualisierung des Studiums weiter voranzutreiben. Wie gesagt, wer nach dem Studium arbeiten muss sollte nicht dran gehindert werden, nach der Arbeit noch lernen zu können. Außerdem würde eine erweiterte Bibliotheksöffnungszeit dazu beitragen, dass die Bücher eine größere Reichweite haben. Speziell bei Jura kann es dazu kommen, dass in der Klausurenphase ein Buch von sehr vielen Studierenden nachgefragt wird. Eine Erweiterung der Öffnungszeiten würde diesen Umstand verbessern. Zudem könnten solche Probleme durch eine Erweiterung des e-Book Angebots gelöst werden. Diese Forderung haben allerdings nicht nur wir, sie wird auch von allen anderen nennenswerten Hochschulgruppen geteilt.

Natürlich sind dies nicht unsere einzigen Forderungen. Genannt seien an dieser Stelle noch die Verkürzung der An-und Abmeldefristen von Klausuren, Veränderungen im Bereich der Suchtpolitik und bessere Betreuungsangebote für Studierende mit verschiedenen privaten und studienbezogenen Problemen. Dies alles dient einem Zweck: Den Studierenden die Möglichkeiten zu geben in ihrem Studium freier entscheiden zu können und damit flexibler zu sein.

Willst du Teil dieser Hochschulgruppe sein? Melde dich bei uns unter Facebook oder auf unserer Website.

Mit liberalen Grüßen,

Florian