Wir, die LHG Bayreuth, haben die letzten Wochen die unterschiedlichen akademischen Verbindungen Bayreuths besucht. Dabei konnten wir die Verbindungsstudenten kennen lernen und bekamen einen guten Einblick in das Verbindungsleben der einzelnen Bünde. Im Rahmen dieses Beitrags möchte ich euch das Verbindungswesen im Allgemeinen und die einzelnen Verbindungen vorstellen und auf die Gemeinsamkeiten der verschiedenen Bünde eingehen.

Das Verbindungswesen in Deutschland hat seinen Ursprung bei den Corps. Aus dieser ursprünglichen Verbindungsart haben sich weitere Verbindungen unterschiedlicher Ausrichtungen, wie z.B. die Turner- oder Sängerschaften herausgebildet. Die größten Unterschiede bestehen hierbei im Tragen von Farben und dem Pauken.

Das sog. Pauken dient der Persönlichkeits-und Gemeinschaftsbildung. Dabei wird – abhängig vom Bund – täglich bis einmal wöchentlich eine Trainingsstunde im akademischen Fechten abgehalten, sodass die Bundesbrüder die Technik lernen und sicher beherrschen. Durch das ständige Wiederholen der Bewegungsabläufe sollen die Mitglieder Disziplin, Sorgfalt und Präzession erlernen. Oftmals pauken die älteren Bundesbrüder mit den jüngeren wodurch das Prinzip einer füreinander einstehenden Gemeinschaft zum Tragen kommt.

Einige Verbindungen erlegen ihren Mitgliedern die Pflicht auf, eine oder mehrere Mensuren zu fechten. Unter einer Mensur versteht man das Pauken mit einer scharfen Klinge. Eine solche Partie ist streng reglementiert. Beim akademischen Fechten bildet der Kopf die einzige Trefferfläche für eine mögliche Verletzung, den sog. Schmiss, wobei Augen, Nase und Ohren sowie der Körper vom Hals abwärts durch eine Schutzrüstung vor Treffern geschützt wird. Bei einer Mensur gibt es weder einen Gewinner, noch einen Verlierer. Ziel einer solchen scharf gefochtenen Partie ist allein das Überwinden der eigenen Angst und die Förderung des Durchhaltevermögens des Einzelnen. Zudem ist eine Mensur auch immer eine Teamaufgabe, da der Fechter von einem Team, bestehend aus einem Sekundant,Schlepper, Testant, usw., unterstützt wird.

Im Folgen werden die Verbindungen Bayreuths kurz vorgestellt:

K. D. St. V. Langobardia München zu Bayreuth im CV

Religio – Amicitia – Scientia – Patria

Die Langobardia München zu Bayreuth ist eine katholische Studentenverbindung im CV (Cartellverband der katholisch deutschen Studentenverbindungen), der derzeit ca. 25 aktive Mitglieder angehören. Sie wurde 1975 von ihrem ursprünglichen Sitz in München nach Bayreuth verlegt. Die Langobardia München zu Bayreuth ist eine farbentragende Verbindung mit den Farben schwarz-rot-blau. Der Bund ist nicht schlagend, da das Pauken nicht mit dem katholischen Glauben, insbesondere mit dem Gebot der Nächstenliebe, vereinbar ist. Die Prinzipien der Verbindung sind Religio – Amicitia – Scientia – Patria. Da die Langobardia München zu Bayreuth ein katholischer Männerbund ist, ist die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche Voraussetzung für den Eintritt.

Langobardia bild

unser Besuch auf dem Haus der Langobardia München zu Bayreuth

Turnerschaft Munichia zu Bayreuth

Freiheit – Ehre – Vaterland – nec temere, nec timide

Die Turnerschaft Munichia zu Bayreuth ist eine Verbindung im CC (Coburger Convent). Die Turnerschaft wurde 1883 in München gegründet und 1977 nach Bayreuth verlegt. Sie ist eine farbentragende Verbindung mit den Farben rot-weiß-schwarz. Rot-Weiß sind die Farben der Turner, das Schwarz ist eine der Stadtfarben der Gründungsstadt München. Neben der Fahne der Munichia zu Bayreuth, kann man an ihrem Haus in der Friedrichstraße 27 auch eine Fahne mit den Farben hellgrün-weiß-blau wehen sehen. Diese Farben sind die der Frankonia-Breslau, einer von Munichenburschen 1895 in Breslau gegründete Verbindung. 1953 kam es zu einer Verschmelzung der beiden Verbindungen, da eine Wiedereröffnung der Frankonia-Breslau nach dem zweiten Weltkrieg nicht absehbar war. Auf diese Weise lebt die Tradition der Frankonia-Breslau weiter fort. Ihre Farben finden sich auch im Traditionsschieber des Munichenbandes wieder. Die Munichia zu Bayreuth ist eine schlagende Verbindung, d.h. ein jedes Mitglied muss zum Eintritt und zum Verbleib in der Gemeinschaft zwei Mensuren fechten. Der Wahlspruch des Bundes lautet „Freiheit – Ehre – Vaterland – nec temere, nec timide“. Auch die Munichia zu Bayreuth ist ein reiner Männerbund. Weitere Eintrittskriterien, wie z.B. eine bestimmte politische Einstellung oder die Zugehörigkeit zu einer Kirche gibt es nicht.

Sängerschaft Franco-Palatia 1895in der DS

Freiheit – Ehre – Freundschaft

Die Sängerschaft Franco-Palatia ist eine musische Studentenverbindung. Sie wurde 1985 in Bayreuth gegründet und ist in der DS (Deutsche Sängerschaft). Als Sängerschaft hat die Musik einen hohen Stellenwert im Verbindungsleben. Als reiner Männerbund führt Franco-Palatia natürlich einen reinen Männerchor, jedoch besteht auch ein gemischter Chor, in welchem neben den Aktiven und einigen Interessenten auch die sog. Chordamen mitwirken. Der Bund ist fakultativ schlagend. Das bedeutet, dass alle Mitglieder die Grundlagen des akademischen Fechtens theoretisch und praktisch erlernen. Jedoch bleibt es die freie Entscheidung jedes einzelnen Verbindungsmitgliedes, ob er eine sog. Mensur fechten möchte. Franco-Palatia ist eine farbentragende Verbindung. Ihre Farben sind violett-weiß-rot. Die Prinzipien der Verbindung lauten: „Freiheit – Ehre – Freundschaft“. Auch bei der Sängerschaft Franco-Palatia gibt es keine besonderen Eintrittskriterien.

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wir singen bei unserem Besuch auf dem Haus der  Sängerschaft Franco-Palatia gemeinsam mit der Verbindung Kommerslieder

Burschenschaft Kurmark Brandenburg zu Bayreuth

Patriae inserviendo consumor!

Die Burschenschaft Kurmark Brandenburg zu Bayreuth ist ein Männerbund, der in Berlin gegründet und 1976 als Verbindung an der Universität Bayreuth zugelassen wurde. Die Verbindung gehört dem SB (Schwarzburgbund) an und ist ein farbentragende mit den Farben schwarz-rot-weiß. Die Kurmark Brandenburg zu Bayreuth lehnt das Pauken ab, da es nicht mit den vom Bund verfolgten Freundschaftszielen vereinbar ist. Ebenso wir der sog. Trinkzwang abgelehnt, d.h., die Mitglieder sind nicht dazu verpflichtet sind an hohen Anlässen, wie z.B. einem Kommers, Bier zu konsumieren. Der Wahlspruch der Verbindung lautet: „Patriae inserviendo consumor!“. Die Burschenschaft ist (wie die anderen hier vorgestellten Verbindungen auch) politisch neutral und lehnt extreme Positionen ab. Sie versteht die Demokratie und die christlichen Normen als Grundlage ihres Gemeinschaftslebens. In die Verbindung kann daher grundsätzlich jeder eintreten, unabhängig von seiner politischen Einstellung und seinem Glauben.

unser Besuch auf dem Haus der Burschenschaft Kurmark Brandenburg

unser Besuch auf dem Haus der Burschenschaft Kurmark Brandenburg

Corps Pomerania-Silesia

Einer für Alle, Alle für Einen!

Das Corps Pomerania-Silesia ist ein reiner Männerbund und gehört dem WSC (Weinheimer Senioren-Convent) an. Der 1903 aus einem Zusammenschluss des Corps Pomerania und des Corps Silesia in Berlin gegründete und zwischenzeitlich in Hannover aktive Bund des Corps Pomerania-Silesia hat seit 1977 seinen Sitz in Bayreuth. Der Bund ist farbentragend mit den Farben blau-weiß-gold und legt seinen Mitgliedern die Pflicht zum Fechten dreier Mensuren auf. Der Wahlspruch der Verbindung lautet: „Einer für Alle, Alle für Einen!“ Auch die Pomerania-Silesia ist eine politisch und konfessionell neutrale Verbindung, sodass keine besonderen Eintrittskriterien bestehen.

unser Besuch auf dem Haus des Corps Pomerania-Silesia

unser Besuch auf dem Haus des Corps Pomerania-Silesia

K. St. V. Andechs-Merania im KV zu Bayreuth

Bonum servare, novum appetere       

Die Andechs-Merania zu Bayreuth ist eine Verbindung im KV (Kartellverband katholisch deutscher Studentenvereine), die 1976 in Bayreuth gegründet wurde. Derzeit gehören dem Männerbund 13 aktive Mitglieder an. Der Bund ist nicht farbentragend, sondern nur farbenführend. D.h. die Verbindung führt die Farben schwarz-blau-gold, ihre Mitglieder tragen jedoch kein Band. Andechs-Merania zu Bayreuth ist nicht schlagend, da das Pauken nicht mit ihrem christlichen Glauben vereinbar ist. Die Prinzipien der Verbindung lauten: „Religio – Amicitia – Scientia“. Als christlicher Bund pflegen die Koporierten ein Verbindungsleben nach christlichen Werten. Daher gehören auch Veranstaltungen caritativen Charakters, wie z.B. ein Ausflug zum Volksfest mit Bewohnern eines Altenheimes oder die Mithilfe bei einem Flohmarkt der Caritas, zum Verbindungsleben. Kriterium für einen Eintritt in den Bund ist die Zugehörigkeit zu einer christlichen Gruppe. Jedoch sind auch Atheisten, Agnostiker sowie Zugehörige eines anderen Glaubens immer herzlich willkommen. Ihnen ist es möglich die Verbindung und ihren Glauben als sog. Verbindungsfreund kennen zu lernen und eventuell später – nach einer stattgefundenen Taufe – in den Bund einzutreten.

Gemeinsamkeiten

Ob Turnerschaft, Sängerschaft oder Burschenschaft, ob im KV oder im CV, letztendlich verfolgen alle Verbindungen ähnliche Ziele (aus zunehmen hiervon ist das Corps Pomerania-Silesia):

  • die Ausbildung und Weiterentwicklung von gesellschaftlichen Umgangsformen sowie der sog. „Softskills“ durch Seminare und Übernahme von organisatorischen Aufgaben und Verantwortung innerhalb der Verbindung
  • Das Schließen von lebenslangen, Generationen übergreifenden Freundschaften
  • Vor allem im Zusammenhang mit dem Studienort lernen die Verbindungsmitglieder die Kultur, Historie und Entwicklung der Region kennen und können sich dadurch mit der Region Oberfranken und der Stadt Bayreuth identifizieren.
  • Networking: Durch die Zugehörigkeit zu einem Bund lernen die Verbindungsstudenten Korporierte, die den gleichen Studiengang im höheren Semester studieren oder schon im Beruf stehen, kennen. Dadurch resultiert ein generationsübergreifender Erfahrungsaustausch von welchem die Mitglieder insbesondere bei der Gestaltung des Studiums und dem Einstieg in den Beruf profitieren.
  • Alle Verbindungen basieren auf einem umgekehrten Generationenvertrag, dem sog. „Lebensbundprinzip“ oder neudeutsch: „Alumni“. Das bedeutet, dass die im Beruf stehenden Bundesbrüder, die sog. alten Herren, die aktuell studierende Generation sowohl in ideeller als auch in finanzieller Hinsicht unterstützen. So wird durch Kauf eines Verbindungshauses günstiger Wohnraum geschaffen und den Bundesbrüdern die Teilnahme an zahlreichen Veranstaltungen ermöglicht.
  • Die Bünde sind basisdemokratisch, d.h. alle Entscheidungen werden demokratisch im Plenum (Convent) getroffen.

 

Abschließend lässt sich sagen, dass wir bei allen Verbindungen einen schönen Abend verbringen konnten und einen guten Einblick in die Tradition und das Verbindungsleben der einzelnen Bünde bekommen haben.

An dieser Stelle möchte ich mich im Namen der LHG Bayreuth nochmals bei den Verbindungen für ihre Gastfreundschaft bedanken!