Viele von uns stehen irgendwann im Laufe ihres Studiums vor der Frage, ob nicht vielleicht ein Auslandsemester eine gute Erfahrung wäre.

Vor ziemlich genau einem Jahr begann auch ich mich intensiver mit der Thematik „Auslandssemester“ zu beschäftigen und mich über die verschiedenen Möglichkeiten eines Auslandsaufenthaltes zu informieren. Dabei wurde mir schnell klar, dass das klassische Erasmus-Semester für mich nicht in Frage kommt. Grund hierfür war vor allem, dass ich bereits „scheinfrei“ war und mir somit keine Veranstaltungen mehr hätte anrechnen lassen können. Ein Master-of-Law-Studium (LL.M.-Studium) dagegen eröffnete mir die Möglichkeit, einen Master-Abschluss zu erwerben, meine Englischkenntnisse zu verbessern und nebenbei die üblichen Auslandserfahrungen zu machen. Zudem ist ein LL.M.-Abschluss ein gern gesehenes „Plus“ bei vielen Großkanzleien und kann dadurch den Berufseinstieg erleichtern. Die Entscheidung fiel mir daher nicht besonders schwer: Ich wollte mich für ein LL.M.-Studium in Großbritannien bewerben.

Eine Bewerbung auf einen Masterstudienplatz vor Absolvieren des Ersten Staatsexamens ist zwar eher unüblich aber durchaus möglich. Viele Universitäten erkennen die sog. „Scheinfreiheit“ als einen dem Bachelor-Degree gleichkommenden Ausbildungsgrad an.

 

Finanzierung

Ein LL.M.-Studium ist leider keine günstige Angelegenheit. In der UK betragen die Studiengebühren zwischen 6.000 und 10.000 Pfund, wobei die Gebühren an Eliteuniversitäten um einiges höher sein können. Dazu kommen die in Großbritannien relativ hohen Lebenserhaltungskosten.

Die gute Nachricht ist, dass man für ein Studium mit Abschluss in der UK Auslandsbafög beantragen kann. In anderen Ländern wird ein solches Studium teils nicht unterstützt. Zudem vergibt der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) Stipendien für ein Studium im Ausland; die Bewerbungsfristen hierfür sind jedoch recht knapp und insbesondere bei „spontaner“ Planung kaum einzuhalten: für Großbritannien muss die Bewerbung 12 Monate im Voraus erfolgen.

Eine weitere Finanzierungsmöglichkeit ist ein Stipendium der ausländischen Universität. Solche Stipendien werden in der Regel auf Grundlage der akademischen Leistungen und universitärem Engagement vergeben. Aufgrund der Tatsache, dass ein Transcript of Records kein offizielles Bachelor-Certificate ist, kann es leider schwierig werden ein solches Stipendium zu erhalten – unmöglich ist es jedoch nicht.

 

Die Bewerbung

Bis zur fertigen Bewerbung ist einiges zu tun. Zuallererst sollte man sich überlegen, an welchen Universitäten man sich genau bewerben möchte. Ich persönlich habe mir überlegt, welches LL.M. Programm mich am meisten interessiert, und nachfolgend recherchiert, an welchen Universitäten man diesen Studiengang belegen kann und wie genau der Studiengang an den jeweiligen Uni gestaltet ist. Die Stadt und Lage der Universität haben bei der Wahl natürlich auch eine nicht unerhebliche Rolle gespielt. Letztendlich habe ich mich für einen LL.M. in International Commercial Law entschieden und mir circa 15 Universitäten herausgesucht, an denen ich mich bewerben wollte.

Die Bewerbung an sich findet über ein Bewerbungsportal der jeweiligen Universität statt. Dort darf man dann seinen Lebenslauf in ein Cluster eingeben, wobei für die einzelnen Fragen immer eine Vorauswahl an Antworten bereit steht. Dabei kam dann auch schon die erste Schwierigkeit auf: „kurz vor dem Staatsexamen“ gab es nicht als Auswahlmöglichkeit. Jedoch konnte man auch „other“ auswählen und sich einen kreativen Namen für den eigenen Wissensstand ausdenken. Das Problem war also schnell gelöst. Am Ende des Clusters wird man dann aufgefordert, diverse Dokumente hochzuladen. Erforderlich sind neben einem Lebenslauf, Motivationsschreiben sowie einer Übersetzung des Datenblattes bzw. aller Scheine auch einen Sprachtest sowie zwei Referenzschreiben von Dozenten. Die Übersetzungen meines Datenblattes und meiner Scheine habe ich selbst angefertigt und von der Universität beglaubigen lassen. Als Sprachtest werden vor allem der IELTS und der TOEFL von allen Universitäten anerkannt. Mir wurde der TOEFL Test empfohlen; meiner Erfahrung nach ist der IELTS an den Universitäten jedoch geläufiger und die meisten Studenten entscheiden sich daher für diesen Test. Günstig sind beide Tests nicht: die Anmeldegebühr beläuft sich auf circa 240 Euro. Da manche Universitäten höhere Anforderungen an das Testergebnis haben als andere, kann der Test die Auswahl potentieller Unis auch noch einmal eingrenzen. Aus diesem Grund habe ich den Test bereits zu Beginn der Bewerbungsphase absolviert, jedoch kann der Test in der Regel auch noch später nach Erhalt des sogenannten „conditional offers“ nachgereicht werden.

Sind dann erst einmal alle Bewerbungen abgeschickt, kann man sich (endlich) wieder dem eigentlichen Studium widmen. Insgesamt was das Vorbereiten der Bewerbungen und insbesondere das Organisieren eine recht zeitaufwendige Angelegenheit. Umso größer ist daher die Freude über die erste Studienplatzzusage.

 

Die Wohnungssuche

Hat man sich dann schließlich für eine Universität entschieden, ist der nächste Schritt dort nach einer passenden Unterkunft zu suchen. Die einfachste Möglichkeit ist dabei eine Bewerbung für ein Studentenwohnheim. In Aberdeen wird bei den Wohnheimen zwischen Heimen für undergraduate students und postgraduate/ PhD students unterschieden. Das ist insofern ganz praktisch, dass die Mitbewohner in den WGs immer ungefähr im selben Alter sind, wie man selbst und auch alle circa gleich viel Stress haben. Eine andere Möglichkeit ist die private Wohnungssuche. Da meine Bewerbung für das Studentenwohnheim erfolgreich war, kann ich hierüber aber wenig berichten.

 

Auf nach Schottland

Anfang September war es dann auch schon an der Zeit, die Koffer zu packen und sich von Bayreuth zu verabschieden. In meiner ersten Woche in Aberdeen fanden tagsüber hauptsächlich Informationsveranstaltungen und Einführungsvorlesungen statt und abends beziehungsweise nachts hatte man die Möglichkeit an den zahlreichen Freshers-Week-Veranstaltungen teilzunehmen. Bereits in der zweiten Woche ging es dann schon richtig los und schnell wurde klar: das Jahr wird kein Zuckerschlecken. Die Seminare sind weitaus ernster vorzubereiten, als ich das aus meinem Studium in Deutschland kannte. Zudem waren mehrere Essays zu schreiben und natürlich stehen am Ende des Trimesters auch Klausuren an. Aber trotz all der Arbeit kommt der der Spaß natürlich nicht zu kurz und auch zum Reisen bleibt bei gutem Zeitmanagement noch genügend Zeit.

 

 

Mittlerweile studiere ich schon seit 2 Monaten an der University of Aberdeen. Dank der zahlreichen Einführungs- und Welcome-Veranstaltungen habe ich schnell Freunde gefunden und mich hier bereits nach wenigen Wochen wie Zuhause gefühlt. An der Universität gefallen mir neben den interessanten Vorlesungen insbesondere der enge Kontakt zu den Dozenten und die im Vergleich zu Deutschland unbürokratisch kurzen Wege sehr. Abschließend bleibt zu sagen, dass die Bewerbung für ein LL.M.-Studium für mich die richtige Entscheidung gewesen ist und ich mich sehr auf die verbleibenden 10 Monate meines Studiums an der University of Aberdeen freue.