Obwohl in Deutschland kaum vorhanden, erhitzt die Burka zahlreiche Gemüter aus den unterschiedlichsten Gründen. Konservative Männer werden plötzlich zu Feministen und Feministinnen setzen sich für das Tragerecht einer Tracht ein, die in vielen Ländern zur Unterdrückung der Frau beiträgt. Als Mann finde ich es schwer einer Frau sagen zu wollen, welche Kleidung sie diskriminiert und welche nicht. Darum möchte ich hier eine männliche Sicht auf die Burka ins Spiel bringen und anschließend aufzeigen, warum bei aller Abneigung ein Verbot nichts bringen würde.

Die Burka und ihr Männerbild

Die meisten aktuellen Artikel über die Burka konzentrieren sich auf deren Frauenfeindlichkeit. Und obwohl ich den Kommentatoren bezüglich der Frauenfeindlichkeit zustimme, möchte ich hier eine andere Seite der Burka aufzeigen: Ihre negativen Auswirkungen auf das Männerbild.

Wann immer Schulen Miniröcke und Hotpants verbieten oder Islamisten die Verschleierung fordern, wird folgende Botschaft kommuniziert: Männer sind Tiere und Sklaven ihrer Triebe. Die Frau wird nicht nur als schwach und schutzbedürftig dargestellt, sondern der Mann wird auch generell zum Täter abgestempelt. Es ist doch dieser Gedanke der zum „victim shaming“ führt und die Justiz in manchen Ländern blind macht für sexuelle Gewalt. Der Gedanke das der Täter unschuldig sein muss, weil er willenlos ist, weil er eben ein Mann ist. Wenn eine Frau eine Verschleierung trägt, ist es so als ob ein Mann immer einen Helm anziehen würde, wenn eine Frau am Steuer sitzt.

Ich bin der festen Überzeugung, dass dies eine sich selbst erfüllende Prophezeiung ist. Die Geschichte hat uns doch gelehrt, dass Menschen zu furchtbaren Taten fähig sind, wenn man ihnen vorgaukelt, dass sie für diese Taten nicht verantwortlich sind, dass sie „nur Befehle befolgen“. Liegt der Fall denn anderes, wenn eine Gesellschaft den Männern einredet, dass sie Sklaven ihrer Natur sind? Natürlich ist das nicht alleine ausschlaggebend, aber man darf die Auswirkungen die ein Menschenbild auf die Gesellschaft hat nicht ignorieren.

Als Liberaler glaube ich, dass jedes Individuum selbst für seine Taten verantwortlich ist und dass sich jeder dieser Tatsache bewusst sein muss. Alkoholeinfluss oder die Tatsache ein Mann zu sein, darf niemals eine Ausrede darstellen. Jeder Einzelne trifft eine Entscheidung und muss allein an dieser gemessen werden.

Burkaverbot: Ja oder Nein?

Es scheint, als würde ich nur weitere Argumente für ein Burkaverbot aufführen, jedoch lehne ich ein solches Verbot mit aller Entschiedenheit ab. So sehr ich die Burka oder den Niqab auch ablehne, so werden diese durch ein Verbot erst noch aufgewertet. Die Burka ist in Deutschland gar nicht wirklich vorhanden. Sie ist afghanische Stammestracht und war vor der Herrschaft der Taliban selbst dort nur im ländlichen Raum vorhanden. Und jene, welche seit der Herrschaft der Taliban geflohen sind, sind auch vor der Burka geflohen. Der Niqab ist schon etwas anderes, aber bisher habe ich diesen nur in München gesehen, wo es aber auch zahlreiche arabische Touristen gibt. Insofern müssen wir uns fragen, ob die Verschleierung in Deutschland wirklich ein Problem oder ein Integrationshemmnis ist.

Bei den Demonstrationen, welche am Ende zum Sturz des Shah und damit zur islamischen Revolution im Iran führten, sah man tausende Frauen im Tschador. Doch es waren auch Anwältinnen und Ärztinnen, die damals den Tschador trugen und ihn nach der Demonstration wieder ablegten. Sie trugen den Tschador, weil er ein Symbol war. Schon 1936 begann die Pahlavi Dynastie den Tschador zu verbieten, weil er ihren Vorstellungen eines modernen Irans widersprach. Dieses Verbot wurde auch als erster Schritt für die Frauenrechte gesehen. So wurde der schwarze Tschador, welcher ursprünglich nur für Beerdigungen gedacht war, zur Alltagskleidung. Und wenn wir die Burka heute in Deutschland verbieten, machen wir sie auch zu einem Symbol für alle, die sich als Moslems diskriminiert fühlen.

Viele bringen aber auch das Argument der öffentlichen Sicherheit. Sollte nicht jeder Bürger klar identifizierbar sein? Ich persönlich finde das nicht. Schon das Vermummungsverbot auf Demonstrationen von 1985 geht mir zu weit. Warum sollte man nicht mit Guy Fawkes Masken demonstrieren dürfen? Den schwarzen Block scheint man damit nicht verhindern zu können, also warum grenzt man die Freiheit der Bürger ein?  Eine Terrorgefahr ist die Burka auch nicht, hier fällt sie zu sehr auf, als dass sie etwas verschleiern könnte.

Kann das Burkaverbot helfen?

Aber die wichtigste Frage die man sich bei einem Burkaverbot stellen muss ist: hilft man damit den betroffenen Frauen? Wird eine Familie, welche die Frauen zur Verschleierung drängt, diese dann einfach ohne Schleier aus dem Haus gehen lassen? Oder werden dann einfach die Kinder die Einkäufe erledigen? Vielleicht werden diese Familien aber auch bald die treuesten Kunden von  Amazon Fresh in Deutschland sein.

Integration von Menschen, welche in archaischen Strukturen gefangen sind, ist ein steiniger und beschwerlicher Weg. Eine nutzlose Symbolpolitik macht die Arbeit der Menschen, die für die Integration kämpfen nicht einfacher, sondern nur schwieriger.