Eine kleine Anmerkung vorweg: der Autor dieses Artikels war selbst ein Jahr lang im Bereich „Entwicklungszusammenarbeit“ tätig. Dieser Beitrag wurde als Antwort auf den Artikel zu diesem Thema in der fünften Ausgabe des Falters geschrieben.  Dem Autor ist bewusst, dass hier wohl ziemlich viele Eindrücke aus seiner eigenen Zeit einfließen, doch fühlt er sich den Menschen und den Organisationen schuldig, die er in dieser Zeit kennenlernen durfte.

 

Im Artikel befanden sich für den Autor zwei besonders prägnante Aussagen:

-Entwicklungszusammenarbeit ist ein Mittel der Unterdrückung des Nordens gegenüber des Südens

-Entwicklungszusammenarbeit hilft nur dem Norden, die Menschen im Süden werden aber unterdrückt.

 

Im Artikel wird behauptet, dass Entwicklungszusammenarbeit ein Machtinstrument des Nordens ist um den Süden an Verträge zu binden, von denen keines der Länder selbst profitiert. Doch stellt sich hier die Frage, wer und in welchem Bereich die Entwicklungszusammenarbeit agiert.

„Denn „Entwick­lungszusammenarbeit“, so altruistisch das Wort auch klingen mag, ist meistens lediglich ein Euphemismus für Maßnahmen, die die Wirtschaft des Globalen Nordens auf Kosten des Globalen Südens zerstören.“

 

Betrachtet man die aktuellen Stellenanzeigen der GIZ wird deutlich, dass hier niemand gesucht wird, der dort zur Ausbeutung der Böden und der Menschen beiträgt. Hier werden Leute gesucht, die sich zum Beispiel um Hilfe beim Aufbau der Strukturen in zerstörten Ländern kümmern. Weiterhin werden Berater in den Bereichen Umweltschutz, Frauenrechte, Spezialisten im Wasserbau und im Aufbau von Graswurzeldemokratie gesucht. Was dies mit der Ausbeutung von Ressourcen durch Großunternehmen zu tun hat bleibt zumindest mir schleierhaft und trotzdem wird dies im Artikel unter dem Begriff Entwicklungszusammenarbeit zusammengefasst

 

Viele der Leute, die als EH’ler (Entwicklungshelfer) eingesetzt wurden haben sich mit großem Engagement in ihrem Rahmen für kleine Kommunen oder z.B. Leute in Krankenhäusern eingesetzt. Zwar kann die Arbeit der entsendeten Spezialisten als westliche Arroganz bezeichnet werden. Allerdings wurden häufig Leute entsendet, die einen sehr differenzierten Blick auf ihre Arbeit hatten und gemeinsam mit den Fachkräften vor Ort nach Problemlösungen suchten. Somit konnten unterschiedliche Herkünfte auch zu gemeinsamen, besseren Lösungen für die bestehenden Probleme führen. Dies muss als Ergänzung der lokalen Maßnahmen und nicht als bewusste Zerstörung der Wirtschaft angesehen werden.

Der zweite Punkt, der dem Autor stark aufstieß, war die Aussage im Artikel, dass Entwicklungszusammenarbeit den Norden nur reicher machte, den Süden allerdings grundsätzlich nur ärmer. Auch hier stellt sich die Frage der Definition.

 

Betrachtet man erneut die Arbeit der Entwicklungshelfer so ist Entwicklungszusammenarbeit, oder wie es früher etwas abschätzig hieß Entwicklungshilfe, eine ehrenvolle Arbeit. Für die kapitalen Interessen Deutschlands ist es jedoch nicht grundsätzlich förderlich Brunnen in Ländern der Subsahara zu bohren oder behinderten Menschen zu helfen.

 

Die Arbeit von Bauingenieuren im Brunnenbau dient primär der gesundheitlichen Vorsorge hunderten und tausenden Menschen in entlegenen Gebieten. Wo sollte bei solchen Projekten oder auch der Förderung von HIV- Präventionsmaßnahmen das Gewinninteresse von Staaten oder Firmen aus dem globalen Norden stecken?

Was macht den Norden reicher, wenn Wiederaufforstungsprogramme und Latrinen gebaut, bezahlt und durch unsere Fachkräfte unterstützt werden?

Was bringt es unserer Wirtschaft, wenn im Kongo Minenfelder mit der Unterstützung deutscher Sprengstoffexperten geräumt werden?

 

Die Aufgabe und die Verantwortung reicherer Staaten muss es sein, Probleme in diesen Ländern zu erkennen und möglichst alles dafür zu tun, dass Hunger, Krankheiten, Analphabetismus etc. der Vergangenheit angehören. Ein großer Teil davon ist die im Artikel so verteufelte „Entwicklungszusammenarbeit“.

 

Natürlich muss Entwicklungszusammenarbeit kritisch hinterfragt werden und, dass diese auch teilweise den wirtschaftlichen Interessen der Geberländer dient, darf nicht geleugnet werden. Allerdings wird dieser Artikel des Grundgedankens bzw. des Wunsches der Entwicklungshilfe, nämlich den Leuten in armen Gebieten ein besseres und sichereres Leben zu ermöglichen, nicht gerechnet.

 

Der Artikel stellt Entwicklungszusammenarbeit als pures Machtinstrument großer Konzerne und der Weltbank dar. Dass unter anderem der Hunger in der Welt in den letzten 25 Jahren um fast 200 Millionen gesenkt werden konnte bei einer Steigerung von ca. 5,3 auf fast 7 Milliarden Menschen, was unter anderem ein Erfolg der Entwicklungshilfe ist, bleibt leider unterwähnt.