Der Beginn eines Studiums ist für viele von uns ein Schritt zu einem selbstbestimmten Leben. Ein akademischer Abschluss verspricht Freiheit und Unabhängigkeit bei der Berufswahl, aber auch Sicherheit für Lebensunterhalt und Vorsorge. Doch ein Studium ist nicht erst seit Generation Y vor allem auch eine Lektion in Eigenverantwortung. Dies zeigt sich auch auf dem Campus Bayreuth: Anwesenheitspflichten sind inzwischen eher die Ausnahme als die Regel, der Stundenplan lässt oft viel Gestaltungsraum und wir haben Veranstaltungen von Research Foren bis zu Fakultätspartys.

Doch der Eigenverantwortungen werden Grenzen gesetzt. Es gibt legitime Grenzen – ein Studiengang braucht einen festgelegten Modulplan um nicht der Beliebigkeit zu verfallen – und zunehmend illegitime. Seien es die Bayerische Woche, Fakultätspartys oder der Verkauf von Alkoholika oder Tabakwaren auf dem Campus; der Suchtbeauftragte der Universität Bayreuth berät derzeit die Universitätsleitung vor allem mit Vorschlägen zur stärkeren Repression des Alkoholkonsums unter Studierenden. Um das Suchtpotential zu verringern, möchte dieser den Verkauf von Alkohol auf dem Campus unterbinden oder den Konsum gleich ganz verbieten.

So sehr Einschränkungen von Verkauf, Konsum oder von Veranstaltungen, die wie Fakultätspartys den Konsum von Alkohol und Tabakwaren fördern, geeignet scheinen um den Studierenden ein gesundes Leben zu bescheren, so sehr werden diese von den Studierenden abgelehnt. Zu Recht finde ich, denn wir wollen selbst Verantwortung übernehmen. Eine Untersagung von Alkohol- und Tabakkonsum ist an einer Universität wenig wirksam. Studierende sind bereit sich über Verbote, die ihnen unnütz erscheinen, hinweg zu setzen oder weichen diesen einfach an andere Orte aus. Es gibt zwei Szenarien von Konsum: Den maßvollen, vom Suchtbeauftragten als wünschenswert angesehenen, und den maßlosen, möglicherweise tatsächlich für die Betroffenen schädlichen. Bei maßvollem Konsum ist kein Handlungsbedarf zu sehen und den maßlosen Konsum wird man auch durch Repression nicht unterbinden. Die Jahrzehnte der Repression in der Drogenpolitik hat bereits Kofi Annan für gescheitert erklärt, und eine Verschiebung zu mehr Prävention statt Repression sind viele Länder bereits gegangen. Bei der Droge Alkohol geht Deutschland diesen Weg seit Jahren. Alkoholverbote sind insbesondere in Bayern prinzipiell nicht in Sicht, sie wären vermutlich auch wirkungslos.

Schließlich sind wir Studierenden mündig und wollen über unsere (Un-)gesundheit selbst entscheiden. Und auch wenn insbesondere Alkohol- aber auch Tabakkonsum Fremdgefährdungspotential haben – dies muss Gegenstand der Strafpolitik sein, nicht der Suchtpolitik.

Als Argument für eine Einschränkung des Alkohol- und Tabakkonsums könnte man nun noch das Suchtpotential anführen, welches Folgeschäden des Konsums verursachen kann, die über die Abwägung der möglichen gesundheitlichen Schäden hinaus gehen. Alkoholabhängigkeit ist häufig Folge aber auch Ursache von Depressionen; Nikotin gehört zu den Substanzen mit höchstem Abhängigkeitspotenzial. Viele Verantwortliche (und wahrscheinlich auch der Suchtbeauftragte der Universitätsleitung) möchten daher den Konsum von Rauschmitteln nicht allein der Eigenverantwortung überlassen. Doch was kann die Antwort auf Suchtpotenziale sein, wenn nicht Repression?

Die Antwort lautet Prävention! Prävention ist die Abwendung von unerwünschten Ergebnissen durch Maßnahmen im Vorhinein. Das bedeutet, dass Prävention immer auch an Evidenz über die Wirksamkeit der Maßnahmen orientiert sein muss. Die Wirksamkeit von präventiven Maßnahmen gegen problematischen Drogenkonsum ist umstritten. Natürlich kann ein Rückgang des Rauschmittelkonsums unter Minderjährigen nicht unmittelbar auf entsprechende zielgerichtete Maßnahmen zur Aufklärung zurückgeführt werden. Dennoch scheinen sich Aufklärungskampagnen im Vergleich zu Repressionen in den letzten Jahrzehnten als deutlich wirksamer erwiesen zu haben. Wirkt Repression durch Tabuisierung oft als zusätzlicher Lockreiz, ebnen Aufklärungskampagnen in Kombination mit Beratungsstellen Konsumenten den Weg zu selbstbestimmtem Konsum.

Die Kampagnen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wie z.B. „kenn dein Limit“ könnten hier auf dem Campus Bayreuth als Vorbild dienen. Das Beratungsangebot lässt leider ebenfalls zu Wünschen übrig und könnte ausgebaut werden. Statt einer Weiterleitung an die Suchtberatung der Diakonie Bayreuth könnte mittelfristig eine eigene Beratungsstelle der Universität Bayreuth für Studenten mit Problemen beim eigenem Konsumverhalten oder problematischem Umgang mit Rauschmitteln in der Familie das Ziel sein. Beides wären hoffnungsvolle Schritte zu einem zugleich toleranten und helfenden Umgang mit Rauschmitteln auf dem Campus und würden uns Allen weitere Lektionen in Eigenverantwortung ermöglichen.